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Frage von ->crazii_giirlii<-: Mit welcher Geste leitet Willy Brandt die Wende in der Ostpolitik ein?
Beste Antwort:
Answer by tanjaknoll
Die Ostverträge
Der Warschauer Vertrag gehörte zusammen mit dem Moskauer Vertrag und dem Viermächte-Abkommen über Berlin zu dem System von Ostverträgen, das im Laufe des Jahres 1970 begonnen und in Form des Grundlagenvertrags 1972 vervollständigt wurde. Er war getragen von der Erkenntnis, dass die Gebiete östlich von Oder und Neiße endgültig verloren waren. Damit bedeutete der Warschauer Vertrag, der als einziger der Ostverträge ein Grenzvertrag war, einen pragmatischer Schritt zur Normalisierung des deutsch-polnischen Verhältnisses.
Damit entspricht der Warschauer Vertrag einem Bestandteil der Normalisierung in den internationalen Beziehungen, nicht jedoch dem Begriff der Aussöhnung. Zwar kann man ihn insofern als Vorboten einer möglichen Versöhnungsstrategie betrachten, als dass der Vertrag offiziell eine deutsche Schuld eingesteht, doch er kann als nicht mehr als eine Voraussetzung für die daraufhin einsetzende Aussöhnungsbereitschaft angesehen werden.
Der “Kniefall von Warschau”
Mit dem „Kniefall von Warschau“ Willy Brandts verhält es sich genau umgekehrt. Er war nicht nur die unmittelbare chronologische Folge des am gleichen Tag unterzeichneten Vertrags, sondern auch eine Steigerung zur Normalisierung, da er nicht das Produkt einer Erkenntnis jeglicher Ausweglosigkeit war, sondern seine Ursache hatte in der emotional zu begründenden Bereitschaft, um Verzeihung zu bitten. Zwei Zitate des Bundeskanzlers selbst bringen diese schwierige Unterscheidung auf den Punkt.
* „Mit diesem Vertrag geht nichts verloren, was nicht längst verloren worden war.“ Dieser Satz, den Brandt am Tag der Unterzeichnung des Moskauer Vertrags aussprach, charakterisiert ebenso die Gründe, die hinter der Abschließung des Warschauer Vertrags steckten.
* Im Gegensatz dazu kommentierte Brandt seinen Kniefall vorm Warschauer Ghetto-Denkmal in seinen „Erinnerungen“ mit den Worten: “Am Abgrund der deutschen Geschichte und unter der Last der Millionen Ermordeten tat ich, was Menschen tun, wenn die Sprache versagt.”
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